Wochenimpuls - 20. bis 25. April

Mut für sich selbst

Zurzeit sind wir alle eher weniger mobil, das heißt weniger unterwegs, um zum Einkaufen oder zum Arbeitsplatz zu gehen. Wir können keine Besuche machen oder Ausflüge unternehmen, zum Essen gehen, zu einem Konzert oder ins Kino.

Diese Situation hält sicher auch manche Überraschung bereit, so zum Beispiel das aufkommende Gefühl, sich mit sich selbst zu beschäftigen zu müssen. Dieser Beschäftigung mit sich, mit seinem Leben, mit seinen derzeitigen Lebensinhalten weichen viele Menschen gerne aus. Wenn man jedoch viel zuhause sein muss oder mit vielen Menschen keinen direkten Kontakt mehr hat, wie man es sonst gewohnt ist, dann kann diese Frage schon auftauchen und vor einem stehen. Ich kenne das selbst und ich weiß das aus unzähligen Gesprächen am Krankenbett, wenn Menschen plötzlich viel Zeit für sich haben und sich nicht ausweichen können.

Ein Impuls für die nächsten Tage könnte es sein, sich bewusst den Fragen und Ideen, den Wünschen und Sehnsüchten, den Ängsten und Hoffnungen zu stellen, die einen in der aktuellen Zeit beschäftigen. Vielleicht träumen Sie ja sogar nachts andere Träume als bisher, weil Ihr Unterbewusstsein mehr Ruhe und Zeit hat.

Ich bin mir sicher, dass Sie dabei auf Ideen kommen, wie Ihr Leben nach Corona auch eine neue Richtung bekommen könnte. Vielleicht fassen Sie Mut für eine schon längst fällige Entscheidung. Oder Sie entdecken im Moment ein neues Hobby, das Sie pflegen möchten. Ein neues Wissensgebiet, mit dem Sie sich beschäftigen wollen. Auch der Wert der eigenen Gesundheit für Körper und Geist will vielleicht in Zukunft mehr beachtet werden.

Mit den Worten von Barbara Baumann, die ich beim Lesen eines Kalenderblattes fand, will ich Ihnen Mut machen für die positive Beschäftigung mit sich selbst und dafür, Ihre persönliche Waage, immer wieder neu ins Gleichgewicht zu bringen:

„Neues erwägen

Ich würde ja gerne etwas ändern, aber ich traue mich nicht,
ich weiß nicht, was dann passiert und ob es gelingen wird…
Veränderungen wagen bedeutet, aus der Waage zu fallen.
Etwas zu wagen, erfordert den Mut, die Ausgeglichenheit,
die Balance zu verlassen und Unruhe, Unbalance zu riskieren.
„Puh, die Veränderung hat mich ganz schön aus dem Gleichgewicht gebracht!“
Wie schön! Denn durch das Wagnis der Veränderung kommt
die Waage in Bewegung. Ich kann mich neu ausbalancieren,
mich neu einpendeln. Gerade die Zeit der Unbalance, in der ich
nicht in der Waage bin, lässt zu, mich neu auszurichten und
mein Wollen in die eine oder andere Waagschale zu legen.“

Johannes Walter - Klinikseelsorger und Pastoralreferent Biberach