Wochenimpuls - 25. bis 30. Mai

Worte des Abschieds und der Zukunft (Joh 17,6-19)

Meist messen wir Worten, die in einer Situation des Abschieds gesprochen sind, eine besondere Bedeutung bei. Solche Worte greifen Vergangenes auf und eröffnen einen deutenden Blick nach vorne. So wird aus dem Abschied gleichzeitig ein Anfang, der einem Vermächtnis gleicht. In einer solchen Situation befinden wir uns aus dem 17. Kapitel des Johannesevangeliums.

„Ich habe ihnen dein Wort gegeben“, sagt Jesus. Der Evangelist lässt Jesus an mehreren Stellen vom „Wort“ sprechen, das dem Menschen Klarheit und Freiheit verschafft. „Wenn ihr in meinem Wort bleibt…werdet ihr die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen. “Es ist jenes Wort, das uns in der Heiligen Schrift begegnet und in Jesus erfahrbar wurde. Dieses göttliche Wort entlarvt die Lüge, mit der wir uns selbst etwas vormachen. Es entlarvt unser Streben nach Macht und Einfluss, das sich gern hinter wohlgemeinten Reden verbirgt und sich mit dem Deckmantel der Sorge um andere umgibt.

„Ich habe ihnen dein Wort gegeben.“ Mit diesem Wort ist das göttliche Wort gemeint, das uns Zukunft und Leben verheißt. Gott hat uns nämlich seine Botschaft nicht in der Form toter Buchstaben vermittelt, sondern in der lebendigen Gestalt Jesu Christi. Jenes Leben enthält die tiefe Sehnsucht nach Lieben und Geliebt-Werden; jenes bedingungslose Angenommensein, das wir anfangshaft erfahren, wo Menschen sich miteinander darauf einlassen. Dieses Leben ist selbst am Kreuz nicht totzuschlagen; jene Zukunft endet nicht, wenn Leid und Tod über uns hereinbrechen.

Diese Abschiedsworte Jesu sind Worte des Gebetes. “In jener Zeit erhob Jesus seine Augen zum Himmel und betete“, heißt es eingangs. So wendet sich Jesus selbst für uns ein, damit für uns wirklich wird, wozu das Wort Gottes befreien möchte. “Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie vor dem Bösen bewahrst.“ Hier und heute ist also der Platz in der Familie, am Arbeitsplatz und in Staat und Kirche. Und gleichzeitig bittet der Herr für uns, dass wir dem Sog des Lebensfeindlichen nicht erliegen; dem Sog der Macht und des Geldes, dem Sog, an die Wissenschaft und die Wirtschaft zu glauben!

Liebe Schwestern und Brüder! Worte des Abschieds und der Zukunft, die sich jetzt an uns wenden. Worte, die mich jedenfalls bestärken, in unserer Welt mit all meinem eigenen Schwächen und Sehnsüchten nach Hoffnung den Glauben zu leben, ohne dieser Welt nach dem Mund zu reden.

Ihr Pfarrer Josy Thomas